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In der zweiten Ausstellung der in Berlin lebenden Malerín
Viola Rusche zeige ich eine Auswahl aus einer experimentellen Serie quadratischer
Bilder, die an die Gruppe "Is it's worth doing, it's worth overdoing",
anknüpft, in der sie ausgehend von comic-artigen Elementen beginnt, den
figurativen Bildraum immer weiter aufzulösen.
"Neben ihrem einfachen Aufbau und ihrem einheitlichen Format, stehen die
im Bildfeld kombinierten Elemente in einem kaum je zur Ruhe kommenden
Wechselspiel zwischen gestischer Abstraktion, skripturaler Zeichenhäufung
und entfernt figurativen Binnenformen. Viola Rusches Bilder vermeiden jegliche
Vortäuschung malerischer Bravour und technischer Raffinesse. Sie verdanken
sich vielmehr einer bei näherer Betrachtung gleich erkennbaren "Vorsichtigkeit"
- einer Vorausschau der nächsten Züge. Sie vermitteln dem Betrachter aber
noch im "abgeschlossenen" Zustand ein lebendiges Bild der vielen gleichzeitig
zu behandelnden und zu berücksichtigenden malerischen Entscheidungssituationen.
Sie sind dabei nicht nur Introspektionen oder Verlaufsprotokolle eines
formalen Experiments. In ihnen gelingt ein Nebeneinander "starker" und
"schwacher" Momente, wie es sonst nur in lyrischen Sprachformen zu finden
und zu verkraften ist. Die nahezu weißen Gründe, die vielen an Schriftzeichen
erinnernde Pinselschreibspuren, die oft den Farbfluss aufbrechen und spröde
werden lassen, die energiegeladenen Zusammenballungen - alle diese Elemente
schaffen in ihrer Nachbarschaft zu Metaphern der Dichtung vielleicht eines
am besten: die gemalten Zeichen sind nie nur Substantiv, Verb, Adjektiv
oder Konjunktion, sondern integrieren in ihre Suche nach Gleichzeitigkeit
auch Farbe und Rhythmus."
Clemens Krümmel
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