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"Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht" ist nicht nur der Titel
der
ersten Ausstellung, mit der ich Arbeiten des Künstlers Michael Müller
vorstelle. Es ist auch die erste Überschrift in Robert Musils gewaltigem
Romanfragment "Der Mann ohne Eigenschaften". womit er bewußt auf einen der
entscheidenden modernen Texte zurückgreift, indem die moderne
Gebrochenheit
des Schreibens so klar wie nur möglich zutagetritt.
Nach seinem Studium an der Düsseldorfer Akademie bei Magdalena
Jetelova,
hat sich Michael Müller mit verschiedenen zeichnerischen Projekten
beschäftigt:
der Arbeit am Ulamraum zur Darstellung von Ulamzahlen ; der Zeichnung
von fiktiven Landkarten, wie sie in der Austellung "Die Sehnsucht des
Kartografen"
bis 1. Februar 2004 im Kunstverein Hannover zu sehen sind und der
Realisieriung des Zeichenschrift-Projektes K 4, von dem ich im
Kabinettraum einen
ersten Ausschnitt zeige.
K 4 ist eine reine Schrift, die existente Sprachen kodieren kann. In Ihrem
Verhältnis zum Sprachgebrauch ähnelt sie Geheim- oder Blindenschrift.
Anwendung findet sie deshalb ausschließlich als Notationssystem von Texten,
die nach K 4 aufgeschlüsselt sind. Die Zeichenschrift K 4 basiert auf
dem lateinischen Alphabet. Ein Zeichen faßt eine Folge von bis zu vier
lateinischen Buchstaben zusammen . Bisher besteht die Zeichen- schrift
K 4 aus "360.000 Zeichen als Kombinationen aus bis zu vier Vokalen und
Konsonanten definiert und auf DIN A 4-formatigem Milimeterpapier gezeichnet,
von denen eine Auswahl gezeigt wird.
Michael Müllers Absicht ist es, Texte aus "Mann ohne Eigenschaften"
von Robert
Musil in diese Zeichenschrift K 4 zu übertragen. Eine erste Übersetzung
wird
Teil der Präsentation sein.
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