Stefan Ettlinger

25.10. - 04.12.2003

Eröffnung: Samstag, 25.Oktober, 16.00 - 19.00

 

 


 


 

 

 

 

 

 

In der neuen Ausstellung von Stefan Ettlinger, die sich zeitlich zwischen seine großen Einzelausstellungen im Museum Haus Esters in Krefeld und in der Kunsthalle Baden-Baden einfügt, werden in konzentrierter Form die wichtigen Entwicklungen dokumentiert, die innerhalb seines Werkes in den letzten beiden Jahren stattgefunden haben.

Hatte seine Malerei bislang immer wieder die konfrontative Kombination zueinander gruppierter, einander scheinbar ausschließender oder widersprechender Einzelbilder im Rahmen eines eher analytischen Montageverfahrens gesucht, so zeigt sich in den neuen Bildern, dass dies nicht mehr als eine Seite seines malerischen Repertoires ist. Ettlingers Bezüge auf fotografische oder filmische, private und massenmediale Bildquellen haben sich erhalten, ebenso seine Bevorzugung von "Situationen", die, sofern klarer bestimmbar, immer das zu kommentieren schienen, was auf der formalen Ebene vorlag. Den Schwerpunkt der neuen Ausstellung bilden überlagerte Kartografien, die sich in ihrer Malweise vielleicht zum Teil an touristische Wanderkarten am Rande von Waldwegen anzulehnen scheinen. In diesem Detail den subjektiven Kartografien der Situationisten verwandt, sind sie jedoch durch einander widersprechende oder offensichtlich nicht zutreffende Beschriftungen ihrer Funktionalität enthoben. Hinzugefügt wird also eine Metaebene, die nicht mehr durch eine Anordnung "neben" dem Bild das "eigentliche" Bild kommentiert, sondern die zunächst im Bild eine "Lesehilfe" zu sein verspricht, die "Orientierung" bietet. Dies geschieht allerdings nur in einem übertragenen Sinn, insofern Orientierung innerhalb von Ettlingers Malerei nun von ihm selbst systematisch addressiert und formalisiert in das Innere der Bilder verlagert ist.
Die für diese Ausstellung getroffene Auswahl belegt vor allem, dass inzwischen aus den Kombinationsbildern in vielen Fällen “synthetische" Bilder geworden sind. Genauer heißt das, dass nun mehrere Bildquellen auf der Basis einer Tiefenschichten erzeugenden Überlagerung ineinander geblendet werden.Damit gibt Stefan Ettlinger nicht nur seiner malerischen Kombinatorik eine neue Richtung, sondern entwickelt und präsentiert auch eine malereispezifische Form der Überlagerung.
Seine neuen Bilder tragen nicht mehr einfache Ziffern als Titel, sondern beziehen sich auf Ortsangaben ("Freetown", Göppingen, “Teneriffa", etc.) und stehen für die gleichzeitige Fortsetzung einer auf geschickten Medienwechseln basierenden integralen Bildproduktion - die künstlerische Praxis von Stefan Ettlinger ist nie auf ein bestimmtes Format festgelegt. Er hat sich mit der Zeit ein reichhaltiges Instrumentarium von Techniken und Medien aufgebaut: So arbeitet er phasenweise auch als Musiker, als Produzent von Video- oder Animationsfilmen oder auch von Texten.
(Clemens Krümmel)