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Stefan
Ettlinger, dessen Arbeit im Rahmen der SNOWFLAKE OFFICE-Reihe im Januar
1999 zum ersten Mal in meiner Galerie vorgestellt wurde, hat sich im vergangenen
Jahr während eines Stipendiums auf Schloß Balmoral schwerpunktmäßig
dem Malen gewidmet und neuartige Bildergruppen geschaffen, aus denen ich
für diese Ausstellung eine Auswahl getroffen habe.
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Die künstlerische Praxis von Stefan Ettlinger war nie auf ein bestimmtes
Format festgelegt. Er hat sich mit der Zeit ein reichhaltiges Instrumentarium
von Techniken und Medien aufgebaut: So arbeitet er phasenweise als Maler,
als Musiker, als Produzent von Video- oder Animationsfilmen oder auch
von Texten. Innerhalb dieses Spektrums nimmt sich die malerische Arbeit
vielleicht nur deswegen zentral aus, weil sie sich am besten zur Präsentation
in einer Galerie eignet.
Dabei gelingt es Ettlinger in deb letzten Jahren immer überzeugender,
einen freien und undogmatischen Produktionsstil in allen Medien zur Anwendung
zu bringen und in seiner Malerei auch Erfahrungswerte zum Beispiel aus
Musikproduktion und Videoschnitt-Technik wirksam werden zu lassen. Wie
in der neuen Ausstellung eindrucksvoll als eine konsequente Abfolge sichtbar
wird, hat er in seiner Malerei über die Jahre unterschiedliche Montagetechniken
erprobt.
Als scheinbar "unbewegtes" oder "starres" Medium scheint sich Malerei
grundsätzlich vom Bewegten des Films oder der Musik zu unterscheiden.
Stefan Ettlinger hat dem zum Trotz in den letzten Jahren versucht, das
Quellenmaterial seiner Malerei in Bildgruppen zu montieren und zu arrangieren.
In diesen vermochten sich nicht nur für einen "kennerhaften" Blick extrem
reizvolle ästhetische Spannungen aufzubauen, denn es wurde hinter dem
"reinen" Malerischen eine ganz andere, komplexere Denk- und Handlungsweise
erahnbar, in der es im Sinne einer "Kombinationskunst" über die vermittelnde
malerische Geste möglich wurde, vermeintlich entlegene und extrem heterogene
Bildeledmente in ein offenes Bezugssystem zu setzen, ohne sie einem bestimmenden
Idiom unterzuordnen.
In den neuen Ettlinger-Bildern tritt nun erstmals ein weiterentwickelter
Ansatz als Signum einer ganzen Bildserie von "Katastrophenbildern" hervor.
Denn neben der kombinatorischen Arbeitsweise hat Ettlinger sich nun eine
erkennbar inhaltlich bestimmte Brücke gebaut, um unterschiedliche Bildebenen
nun auch in der Tiefe des Bildraums arrangieren zu können. Die Grundlage
dieser Bilder liefert ein in sich bereits paradox klingendes Bildgenre:
Es handelt sich um "Action Stills", also Standbilder aus Actionfilmen,
die Unfälle, Explosionen, Zusammenbrüche zeigen und so die Kollisionen
der zuvor nebeneinander montierten Bilder schon in sich aufgehoben zu
haben scheinen. Es gibt eine Entdeckung zu machen - denn Stefan Ettlinger
versteht es als einer der wenigen zeitgenössischen Künstler/innen, eine
"Malerei der fließenden Welt" zu praktizieren. < *
* Clemens Krümmel
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