Stefan Ettlinger

03.03. - 21.04.2001


 
   
   


Stefan Ettlinger, dessen Arbeit im Rahmen der SNOWFLAKE OFFICE-Reihe im Januar 1999 zum ersten Mal in meiner Galerie vorgestellt wurde, hat sich im vergangenen Jahr während eines Stipendiums auf Schloß Balmoral schwerpunktmäßig dem Malen gewidmet und neuartige Bildergruppen geschaffen, aus denen ich für diese Ausstellung eine Auswahl getroffen habe.

> Die künstlerische Praxis von Stefan Ettlinger war nie auf ein bestimmtes Format festgelegt. Er hat sich mit der Zeit ein reichhaltiges Instrumentarium von Techniken und Medien aufgebaut: So arbeitet er phasenweise als Maler, als Musiker, als Produzent von Video- oder Animationsfilmen oder auch von Texten. Innerhalb dieses Spektrums nimmt sich die malerische Arbeit vielleicht nur deswegen zentral aus, weil sie sich am besten zur Präsentation in einer Galerie eignet.

Dabei gelingt es Ettlinger in deb letzten Jahren immer überzeugender, einen freien und undogmatischen Produktionsstil in allen Medien zur Anwendung zu bringen und in seiner Malerei auch Erfahrungswerte zum Beispiel aus Musikproduktion und Videoschnitt-Technik wirksam werden zu lassen. Wie in der neuen Ausstellung eindrucksvoll als eine konsequente Abfolge sichtbar wird, hat er in seiner Malerei über die Jahre unterschiedliche Montagetechniken erprobt.

Als scheinbar "unbewegtes" oder "starres" Medium scheint sich Malerei grundsätzlich vom Bewegten des Films oder der Musik zu unterscheiden. Stefan Ettlinger hat dem zum Trotz in den letzten Jahren versucht, das Quellenmaterial seiner Malerei in Bildgruppen zu montieren und zu arrangieren. In diesen vermochten sich nicht nur für einen "kennerhaften" Blick extrem reizvolle ästhetische Spannungen aufzubauen, denn es wurde hinter dem "reinen" Malerischen eine ganz andere, komplexere Denk- und Handlungsweise erahnbar, in der es im Sinne einer "Kombinationskunst" über die vermittelnde malerische Geste möglich wurde, vermeintlich entlegene und extrem heterogene Bildeledmente in ein offenes Bezugssystem zu setzen, ohne sie einem bestimmenden Idiom unterzuordnen.

In den neuen Ettlinger-Bildern tritt nun erstmals ein weiterentwickelter Ansatz als Signum einer ganzen Bildserie von "Katastrophenbildern" hervor. Denn neben der kombinatorischen Arbeitsweise hat Ettlinger sich nun eine erkennbar inhaltlich bestimmte Brücke gebaut, um unterschiedliche Bildebenen nun auch in der Tiefe des Bildraums arrangieren zu können. Die Grundlage dieser Bilder liefert ein in sich bereits paradox klingendes Bildgenre: Es handelt sich um "Action Stills", also Standbilder aus Actionfilmen, die Unfälle, Explosionen, Zusammenbrüche zeigen und so die Kollisionen der zuvor nebeneinander montierten Bilder schon in sich aufgehoben zu haben scheinen. Es gibt eine Entdeckung zu machen - denn Stefan Ettlinger versteht es als einer der wenigen zeitgenössischen Künstler/innen, eine "Malerei der fließenden Welt" zu praktizieren. < *

* Clemens Krümmel

 

 

 


Weitere Bilder von Stefan Ettlinger: